istock.com/RomoloTavani
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Vermögensaufbau von Geburt an

 

Babyaktionär? Ich sage: Ja!

Nicht weils cool, hipp oder trendy ist. Nein, sondern weil andere Geldanlagen heutzutage auch für den Nachwuchs, bezugnehmend auf Verhältnis von Risiko und Rendite, keine wirkliche Alternativen sind.
Die Leier mit den Niedrigzinsen auf Sparbuch, Festgeld- und Girokonten muss ich hier nicht erneut besprechen. Auch wenn “Babysparbuch” toll klingt, würde ich persönlich Abstand davon halten. Die Mieten werden in 18 Jahren höher sein als jetzt. Die Verbraucherpreise werden steigen, die Kaufkraft wird sinken.
 
10.000 € werden in 18 Jahren bei 1,8% Inflation pro Jahr wohlmöglich nur noch eine Kaufkraft von 7200 € haben. Natürlich hat man trotzdem noch die besagten 10.000 € auf dem Konto, aber eben weniger “buying power”. Letztendlich macht auch beim Nachwuchs eine Vermögensanlage mit einer Rendite <2% pro Jahr somit keinen Sinn (Vergleiche Tagesgeld, Festgeld, Girokonto), da man am Ende gerade so “Plus/Minus” 0 ist und dann sind 10.000 € Euro in 18 Jahren eben immernoch 10.000 €, aber leider auch nicht mehr.
 
Diesbezüglich gibt es auch beim Nachwuchs eine solide Alternative mit relativ geringem Risiko. Aufgrund einer langen Anlagedauer sollte man sich auch die langfristige Investition in Wertpapiere für den Nachwuchs mal genauer anschauen.
Es kann mittels Sparplänen oder Einmalzahlungen auf ein sogenanntes Junior-Depot (möglich ab Geburt) ein finanzielles Polster geschaffen werden, um später Ausbildung, Studium, Führerschein, Auslandsjahr oder was auch zu immer ermöglichen.
 
Falls es jemand noch nicht verstanden hat. Ja ich spreche davon, ein Aktiendepot einzurichten, was auf den Namen des Kindes läuft.
Zum Vergleich eine Tabelle bezugnehmend auf Sparbuch, Festgeldkonto und ETF Depot mit selbem Anlagehorizont bei gleicher Anlagesumme. Vereinfacht dargestellt: Sparbuch und Festgeldkonto schneiden bei langem Anlagehorizont nicht gut ab.
 
Quelle: Elterngeld.de

Die Funktionsweise

Eltern fungieren als eine eine Art Treuhänder. Bis der Nachwuchs volljährig ist, besitzen die Eltern Verfügungsgewalt über das Depot, sind aber keine Nutznießer dessen. Wenn einmal Geld angelegt wird, dürfen die Erziehungsberechtigten dieses nicht zu eigenen Zwecken nutzen und nur im Sinne des Kindes agieren. Also Geld anlegen, Dividenden übers Juniordepot unversteuert abkassieren und dann auszahlen lassen gefällt dem Finanzamt gar nicht. Der Wertpapierhandel kann nach eigenem Ermessen für das Kind betrieben werden. Zu riskante Geschäfte (fernab von normalen Aktien/Fonds oder ETF’s) sind generell in der Regel bei einem Junior-Depot nicht gestattet. Eine Vollmacht zu haben, heisst bei einem Kinder-Depot also nicht, dass man damit im eigenen Interesse tuen und lassen kann, was man will. Die Wertpapiere gehören dem Kind. Das Depot dient der Geldanlage und nicht dem Geldtransfer.

Sobald der Sprössling 18 Jahre jung ist, wird das Depot automatisch übertragen. Von dem Zeitpunkt an haben die Eltern keinen Zugriff mehr und der junge Erwachsene kann selbst entscheiden, was mit dem Depot und den darin enthaltenen Wertpapieren passiert. Dann wird das Junior-Depot entweder in ein richtiges Depot umgewandelt oder aufgelöst.

Auch beim Junior-Depot gilt:

Es sollte möglichst nur das Geld angelegt werden, auf das man über einen langen Zeitraum (hier optimal 18 Jahre) selbst nicht angewiesen ist!

Das u18 Depot

  1. Depot eröffnen beim Broker deines Vertrauens

  2. Breitgestreuten ETF aussuchen

  3. Sparplan einrichten (oder Einmalkauf)

  4. Freibetrag beim Broker  (801 € / Jahr) + ggf. Nichtveranlagungsbescheinigung hinterlegen

  5. (Oma und Opa die IBAN mitteilen)

Per Sparplan gehen dann z.B. monatlich 25 € aufs Verrechnungskonto. Davon werden Anteile eines ETF’s gekauft, die für 25€ zu haben sind. Kostet ein Anteil eines ETF ‘s 50 € so bekommt man im ersten Monat 0,5 Anteile. Geht der Aktienkurs runter, erhält man mehr Anteile, geht er hoch, erhält man weniger.

Hier zwei Beispielrechnungen, wie sich ein Sparplan mit 25 € / Monat über 18 Jahre in einen breitgestreuten ETF ohne und mit Anfangskapital entwickeln könnte.

Für weitere Berechnungen empfehle ich diese Seite.

Sparplan 25 € / Monat, 6 % Rendite p.a., Anlagedauer 18 Jahre
Sparplan 25 € / Monat, 6 % Rendite p.a., mit 1000 € Startkapital, Anlagedauer 18 Jahre

Hoch und weit bringt Sicherheit … ach nee das kommt vom Fussball! Neuer Versuch…

Breit und lang, von Anfang an!

Als relativ risikoarmes Standardinvestment zählt beim Junior- bzw. Kinderdepot, wie auch beim eigenen Depot, ein breitgestreuter Aktien-ETF.

Der MSCI World beinhaltet z.B. bereits ca. 1600 Aktien, Beispiele sind:

Wer noch mehr Diversifikation haben möchte, kann sich auch folgende “All World” ETF’s zu gemüte führen, welche noch mehr Aktien enthalten und den weltweiten Aktienmarkt noch mehr abdecken, z.B.:

Letztendlich spielt es aber fast keine Rolle, welchen breitgestreuten ETF man für sein Kind wählt. In der Regel bietet ein “normaler” MSCI World mit ca. 1600 Aktien schon eine sehr gute Diversifikation. Eine Investition in Einzelaktien empfehle ich beim eigenen Nachwuchs als Neuling in der Materie nicht unbedingt, da es durchaus einen Mehraufwand bedeutet, den ich nicht haben möchte, wenn ich das Kinderdepot einfach stupide nebenher laufen lassen will. Die Wahl des Brokers sollte nach eigenen Geschmack erfolgen. Eventuell ist man ja auch bereits schon Kunde einer Online Bank.

Hier eine kleine Übersicht über drei verschiedene Broker. Die Depotführung ist kostenlos, die Auswahl an ETF’s groß und die Gebühren niedrig. Bei der Comdirect- und Consorsbank kann ein Kinderdepot eröffnet werden, ohne selbst Kunde zu sein. Bei der DKB muss zumindest ein Elternteil ein Girokonto besitzen. (Stand 12/2020)

Kosten Einmalanlage vs Sparplan Quelle: finanztip.de

Vorteile

    • Finanzielles Polster mit 18 Jahren
    • Zinseszinseffekt
    • Niedrige Order-/Verwaltungskosten
    • Sparplan ab geringen Beträgen möglich
    • Gute Rendite bei relativ risikoarmer Geldanlage
    • Kaum Aufwand beim Verwalten, bequem, automatisiert
    • “Depotkontrollen” nicht notwendig
    • Trennung vom eigenen Privatvermögen
    • Transparenz
    • Finanzielle Bildung am praktischen Beispiel ermöglichen
    • Steuervorteile

Nachteile

    • richtiges Einschätzen der Reife des Sprösslings in Bezug auf Umgang mit Geld nicht immer einfach
    • kein rechtliches Mitspracherecht mehr ab 18: das angesparte Kapital geht automatisch auf Sohnemann oder Töcherlein über
    • je nach Betrag des Ersparten: Verwirkung von BAföG (v.a. in Bezug auf elternunabhängige Leistungen) oder anderen staatliche Zuschüsse
      • Kindergeld bleibt!
    • je nach Betrag der monatlichen Kapitalerträge (Dividenden, Zinsen) durch das Junior-Depot:  wer zuviel “verdient” fliegt aus der Familienversicherung bei der gesetlichen Krankenversicherung
    • ggf. bürokratische Hürden, sollte doch Geld benötigt werden und Wertpapiere verkauft werden müssen

Steuern Sparen beim Kinderdepot

Eins auch hier vorweg: Ich bin kein Steuerexperte. Für eine ausführliche Beratung und tiefere Einblicke in die Materie sind Informationen bei den jeweiligen Fachabteilungen einzuholen.

Zusammenfassend ist aber zu sagen: Kinderdepots bieten einen saftigen Steuervorteil.

Erst wenn diese Summe von 10.545 € überschritten ist (Stand 2021), besteht die Notwendigkeit eine Steuererklärung zu machen.

Definition

  • Sparer-Bauschbetrag 
    • steuerlicher Freibetrag von Einnahmen aus Kapitaleinkünften (Dividenden, Zinsen, Verkauf von Wertpapieren), unabhängig ob Kind oder Erwachsener
  • Grundfreibetrag:
    • soll in Deutschland das Existenzminimum absichern
    • soviel darf man dazuverdienen, ohne Steuern zu zahlen
    • relevant für Personen ohne oder mit geringem Einkommen (Rentner, Minijobber, Studenten und natürlich Kinder)

Was gibt es zu beachten ?

  • bzgl. Sparer-Bauschbetrag:
    • Freistellungsauftrag von 801 € beim Broker erteilen (Standard, wie beim Erwachsenendepot)
  • bzgl. Grundfreibetrag
    • zugegeben: Alleine den Freistellungsauftrag von 801 € / Jahr bei einem langweilig (und das ist auch gut so) und langfristig angelegten Kinderdepot per Sparplan zu knacken ist schon schwierig
    • ist abzusehen, dass man die 801 € Freibetrag / Jahr ausschöpft (Verkauf mit Gewinn von Wertpapieren, hohe Dividendenauszahlungen, kann es sinnvoll sein eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt zu beantragen und dann einfach beim Broker einreichen

Letztendlich ist diese Bescheinigung wahrscheinlich oftmals zu viel des Guten, aber lieber zuviel Freibetrag haben, als am Ende unnötig zuviel Steuern zu zahlen.

Kurz und knapp: Kinder mit einem Aktiendepot ohne eigenes/geringes Einkommen können im Sinne der Steuervergünstigung immens profitieren, da erst ab Überschreitung des Freibetrags von 10.500 € Jahr (Stand 2021) der Staat im Sinne von Steuern mitverdient.

Kleines Rechenbeispiel (bezugnehmend auf jede Personengruppe ohne eigenes Einkommen bzw. geringem Einkommen < 9744 € / Jahr)

Minijob und satte Dividenden- /Zinseinkünfte

      • Gehalt: 400 € / Monat = 4800 € Jahr,
      • zusätzlich Einkünfte aus Kapitalvermögen (Dividenden/Zinsen): 350 € / Monat = 4200 € Jahr

→ = 9000 € / Jahr

da Freibetrag von 10.500 € / Jahr nicht erreicht, keinerlei Steuerabgaben notwendig (auch nicht auf den Freibetrag von 801 €/Jahr)

In so einem Fall sollte unbedingt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt eingereicht werden.

Besonderheiten bei BAföG und Versicherung

BAföG
  • Kein Anspruch wenn Vermögen > 8200 € (Girokonto, Auto, angespartes Kapital)
  • Reduzierter Anspruch je nach finanzieller Lager < 8200 €
  • Der BAföG Höchstsatz beträgt aktuell 861 € / Monat (Stand 2021), somit könnte einem diese Einnahmequelle später wegfallen

Familienversicherung

  • Einkommensgrenze für Verbleib in Familienversicherung = 470 € / Monat
  • Wenn “Einkommen” (also Kapitalerträge: Dividenden, Zinsen, …)  470 € / Monat übersteigt:
    • eigene Krankenversicherung notwendig

Fazit

Mit einem Junior- oder Kinderdepot besteht eine gute Möglichkeit, den Vermögensaufbau für den eigenen Nachwuchs strukturiert, ruhig, “langweilig” und stressfrei in die Tat umzusetzen. Abzuwägen sind Vor- und Nachteile, welche sicher jeder anders gewichtet. Im besten Falle sind es 18 Jahre, in denen eventuell folgende Krisen an der Börse durch Abwarten und stures Weiterinvestieren per Sparplan ausgesitzt werden können. Der Zinseszinseffekt wird dabei deutlich zum Tragen kommen. Zudem gibt es aus meiner Sicht aktuell keine alternative Geldanlage, welche relativ risikoarm eine ähnlich Rendite bietet. Und wahrscheinlich wird das noch viele Jahre so andauern.

Sparplan 25 € Monat, Rendite hier sogar nur 4%, Inflationsbereinigt Quelle: https://finanz-ingenieur.de/zinseszinseffekt

Mit einem Sparplan von 25 € / Monat auf einen MSCI World ETF mit einer jährlichen Rendite von 5-7% pro Jahr kann man mit einem Vermögen von 8.500 € – 10.000 € nach 18 Jahren rechnen. (Davon sind jeweils 3000 – 5000 € ausschliesslich Zinsen)

Inwieweit der junge Erwachsene mit 18 Jahren die notwendige (finanzielle) Reife besitzt, ist natürlich sehr individuell und bei frühzeitiger Geldanlage schwer abschätzbar. Aber es bleibt ja genügend Zeit, um den Umgang mit Geld und die Basics beizubringen. Führerschein, Auslandsjahr und ein gebrauchter VW Golf sollten aber mit 25 € / Monat auf jedenfall drin sein.

Persönlich besitzt unsere Tochter ebenfalls ein Junior-Depot bei der DKB (“DKB Broker u18“)

Dort liegen per Einmalkäufe (hat sich so ergeben) Anteile von:

Ein Sparplan a 25 €  / Monat läuft auf den Lyxor MSCI World ETF.

Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung!

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