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In 4 Schritten zum langfristigen Vermögensaufbau

1. Entschluss fassen​

Man weiss noch nicht wie, aber die Entscheidung ist gefallen. Man will sich endlich durchringen und mit dem Vermögensaufbau beginnen. Der innere Schweinehund ist besiegt, man sieht mehr Potential in seinem Ersparten, als dass es nur auf dem Girokonto dahindümpelt. Man wägt Vor- und Nachteile ab und erkennt, dass die Börse doch kein so großes Tabuthema zu sein scheint, wie immer gedacht. Ein “Vielleicht” gibt es nicht mehr. “Nein auf keinen Fall” scheint in einer Schublade verschwunden zu sein und die Prokrastination ist überwunden

Herzlichen Glückwunsch, der wichtigste Schritt is gemacht.

2. Depot eröffnen

Zum Handeln benötigt man ein Depot bei seiner Bank/Sparkasse. Die Anleitungen zum Einrichten sind diesbezüglich nahezu selbsterklärend und kann vorwiegend online durchgeführt werden. Zu erwähnen ist hier noch das Post- oder Videoident verfahren. Ja, beim Video-Ident muss man eine Gesichtserkennung inklusive Ausweisverifizierung per Kamera durchführen lassen und eine fremde Person schaut einem dabei zu.

Wer scheu ist, kann den länger dauernden Weg des Post-Ident-Verfahrens wählen.

Meine Depots habe ich bei der consorsbank, comdirect und Trade Republic.

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Viele Wege führen nach Rom

3. Anlageform auswählen

In ETFs investieren

ETFs = Exchange Traded Funds. Es sind Indexfonds, die wie Aktien, an der Börse gehandelt werden. Sie bilden bei vielen Neulingen den Grundbaustein beim Vermögensaufbau.

Vorteile

  • Passive Geldanlage
    • Geringe Vorkenntnisse nötig
    • Zeitlicher Aufwand marginal
  • Niedrige Kosten
    • Teilweise nur 0,2% pro Jahr
  • Hohe Flexibilität
    • Kauf und Verkauf immer möglich
  • Hohe Diversifikation
    • “Breit gestreut, nie bereut”
  • Rationales Investieren
    • Keine emotionale Bindung an z.B. einzelne Unternehmen
  • Die wohl einfachste Geldanlage zum langristigen Vermögensaufbau

Nachteile

  • Keine individuelle Aktienauswahl
    • bei 1600 Aktien kann auch Schrott dabei sein
  • Keine Outperformance
    • schnell Reich ist nicht
  • Laufende Gebühren
    • auch wenn gering und eigentlich zu vernachlässigen
  • Nur für langfristige Investments geeignet
ETFs gibt es wie Sand am Meer. Fast jede Nische hat seinen Eigenen ETF. Es gibt Branchen-ETFs (zB nur Wasserstoff, nur E-Mobilitiät), Länder-ETF’s (China-ETFs,  Indien-ETF’s) und so weiter…
 
Zu Beginn sollte man sich auf einen sehr breit gestreuten ETF fokussieren. Hierbei bieten sich an
  1. MSCI World
Lyxor MSCI World Factsheet
Quelle: Lyxor MSCI World Factsheet, Geographie, Branchen, Top 10 Firmen und Gewichtung
MSCI World. kein China, Taiwan, Südkorea , Indien oder Brasilien

2. MSCI All Country World

Lyxor MSCI All Countries World Factsheet
Quelle: Lyxor MSCI All Countries World Factsheet, Geographie, Branchen, Top 10 Firmen und Gewichtung

In allen oben genannten ETFs sind die USA jeweils mit dem größten prozentualen Anteil vertreten. Ob man sich jetzt noch Schwellenländer ins Depot dazulegt (wie im MSCI All Countr World), ist natürlich, wie immer, jedem selbst überlassen.

In Einzelaktien investieren

Erwirbt man Aktien, erwirbt man Anteile an einem Unternehmen. Hat man z.B. eine Aktie von Amazon oder Apple, ist man Anteilseigner von genau dieser Firma. Oberste Devise auch hier: Diversifikation!

Vorteile

  • Individuelle Depotzusammenstellung
    • Ich kaufe das Unternehmen, was ich will
  • Chance auf mehr Rendite
    • Outperformance gegenüber einem ETF möglich
  • Keine laufenden Kosten
    • Man zahlt nur für den Kauf, nicht fürs Verbleiben im Depot
FANG Aktien: Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google (Alphabet)
 

Nachteile

  • Aktive Anlage
    • Benötigt Zeit bei der Recherche, Energie und ein gewisses Maß an Grundwissen
  • Höheres Risiko
    • Mehr Schwankungen
    • Weniger Diversifikation als bei einem MSCI World ETF
    • Totalausfall mgl
  • Die größte Anzahl der Menschen schlägt den allgemeinen Markt nicht (z.b. den MSCI World)
    • Underperformance (je nach Zeitraum) durch Crapaktien, Pennystocks und Firmen wie Wirecard und Co. durchaus möglich
  • Größerer emotionaler/psychischer Stress
    • man checkt öfter Kurse, ggf. zu große Bindung an ein Unternehmen

Es haben sich schon einige die Finger verbrannt, das nächste Amazon oder Netflix zu finden. Und die Leute, die eine Glaskugel besitzen, werden diese sicherlich nicht rausrücken.

Quelle: Google “Netflix Kurs”, 5.12.2003 2,84€ –> 22.01.2021 471,40€
Quelle: Google “Amazon Kurs”, 17.07.1998 17,36€–> 22.01.2021 2709,50€

Alle beide haben in den letzten 20 Jahren besser performed als der MSCI World. Aber: Outperformance nur durch erhöhtes Risiko möglich !!

Als Beispiel: Auch ich habe mit Wirecard Geld verloren. Allerdings ist es aufgrund eines ordentlich diversifizierten Depots mit mehreren Titeln wenig ins Gewicht gefallen und hat der Gesamtperformance kaum geschadet.

Wer diese Strategie verfolgt sollte auf jednfall über Länder und Branchen streuen, und die Unternehmen aussuchen, die zu einem passen.

Eine offizielle “Regel” über die Anzahl an Firmen im Depot gibt es natürlich nicht, aber generell wird die Meinung vertreten, dass es schon mindestens 10, eher 20 oder mehr sein sollten. Am Ende ist auch die Depotgröße entscheidend, da 40 Aktien a 100 Euro auch nicht übermäßig Sinn machen.

Allerdings birgt eine erhöhte Anzahl an Einzelunternehmen im Depot auch wiederum das “Risiko” einer verminderten Performance. (Weniger Titel, mehr Performance bei erhöhtem Risiko)

Sowohl ETFs als auch Einzelaktien haben das Risiko eines Wertverlusts. Um dieses Risiko zu minimieren und längerfristig eine gute Rendite zu erzielen, wird meist ein Anlagehorizont von über 10 Jahren (lieber mehr) in Betracht gezogen, um eventuelle Crashs und Downphasen auszusitzen. Unabhängig vom Einstiegszeitpunkt hat man in den letzten 50 Jahren bei einem so langen Anlagehorizont mit Aktien keine Verluste gemacht.

Ein Totalausfall eines einzelnen Unternehmens (siehe Wirecard) ist wahrscheinlicher als ein Totalausfalls eines MSCI World und Co.

4. Art und Weise des Vermögensaufbaus

4a. per Sparplan

Monatlich wird von einem Verrechnungskonto (z.B. das eigene Girokonto) eine vorher festgelegte Summe in Aktien oder ETFs investiert, die man sich vorher rausgesucht hat.

Sparpläne sind mittlerweile bereits schon ab 10 € bzw 25 € möglich, was wahrscheinlich die meisten Menschen am Ende des Monats übrig haben.

Davon werden Anteile eines ETF’s oder einer Aktie gekauft, die für z.B. 25 € zu haben sind. Kostet ein ETF oder eine Aktie 50 €, so bekommt man im ersten Monat 0,5 Anteile. Geht der Aktienkurs runter, erhält man mehr Anteile, geht er hoch, erhält man weniger.

Kosten sind bei den jeweiligen Brokern unterschiedlich. Als Reminder: bei einem ETF fallen zudem zusätzlich geringe jährliche Kosten an.

Vorteile

  • Passives Investieren durch Automatisierung
    • einmal Einstellen und auf der Couch entspannen
  • Ab niedrigen Summen möglich
    • Kein großes Startkapital notwendig
  • Cost Average Effekt
    • je Nach Kurs gibts mehr oder weniger Anteile
  • Man bekommt ein Gefühl für die Börse
    • Sparen wird zur “Gewohnheit”, Schwankungen sind erträglich
  • Günstige Gebühren
    • teilweise kostenlose Sparpläne mgl, zB. oft auf den MSCI World
  • Flexibilität
    • Anpassungen möglich, keine Kündigungsfrist oder Mindestvertragslaufzeit
Nachteile
  • Monatliche Orderkosten (sofern nicht kostenlose ETF Sparpläne bespart werden), oft 1,5% / Sparplanausführung (38 Cent bei 25 €)
  • Manche ETFs nur für einen gewissen Zeitraum kostenlos besparbar
  • Nicht überall kann man alle ETFs oder Aktien besparen
  • Kein Markettiming möglich

4b. per Einmalkauf

Einmalkäufe kann man sowohl mit Aktien als auch ETFs machen.

Mit einer vorher definierte Summe kauft zum jeweiligen aktuellen Aktienkurs Anteile.

Einmalkäufe sind eine Form der aktiven Geldanlage.

Man sollte die Ordergebühren im Blick behalten, denn es lohnt nicht, eine Aktien im Wert von 100 € zu kaufen, wenn davon schon 10 € an Gebühren anfallen.

Generell lohnen sich Einmalkäufe daher erst ab höheren Summen (wobei als Beispiel Trade Republic auch Einmalkäufe für 1 € anbietet)

 

Vorteile

  • Einmalige Kosten beim Kauf
    • keine monatlichen Kosten wie beim Sparplan
  • Markettiming möglich, wenngleich schwierig
    • Beispiel Corona Krise März/April 2020
  • Eigenständiges, nicht automatisiertes Investieren
    • Ich entscheide, wann ich kaufe
  • Zinseszinseffekt bei Einmalanlage höher
    • Gesamtes Investitionskapital wird von Anfang an mitverzinst
    • höhere Rendite möglich
  • Neben der langfristigen Geldanlage auch für kurz- und mittelfristige Investments geeignet (Cave: Risiko steigt mit der Verringerung der Anlagedauer)

Nachteile

  • Meist mehr Startkapital nötig
    • Ggf. größere Starthürde in Bezug auf das Investieren
  • Mehr Recherche notwendig
    • Vor allem bei Einzelaktien
  • Unsicherheiten bei Kursschwankungen
    • Wenn man als Neuling neu in der Materie ist und direkt hohe Einmalkäufe tätigt
    • Erhöhte Emotionalität
  • Die Tendenz zu Buy & Hold ist bei Einmalkäufen (v.a. Einzelaktien) niedriger
    • Vermehrtes Handeln bei Einzelaktieninvestments
    • “Hin und her macht Taschen leer”

Zusammenfassend ist zu sagen, dass beide Geldanlagen dem langfristigen Vermögensaufbau dienen. Überall gibt es Kosten beim Kauf (und Verkauf) von Wertpapieren. Mit beiden Geldanlagen kann man gezielte Strategien verwirklichen (z.B. Dividendenstrategie per Dividenden ETFs oder Dividendenaktien, Wachstumsstrategie usw).

Es gibt weder bei ETFs noch Aktien DIE eierlegende Wollmilchsau. Daher sollte man nach eigenem Risikoprofil die Vor- und Nachteile abwägen und dann entscheiden ob es ETFs oder Aktien, Einmalkäufe oder Sparpläne werden sollen.

Ich persönlich habe zu Beginn mit einem Sparplan auf einen MSCI World ETF begonnen, mich aber im Laufe der Zeit davon getrennt und betreibe nun ausschließlich die Geldanlage in Einzelaktien.

Es lohnt sich immer einen Sparerpauschbetrag (Freibetrag) beim Broker festzulegen. Denn bis 801 € / Jahr sind Kapitalerträge (z.B. Dividenden) steuerfrei.

Die wichtigsten Regeln

  • Frühzeitig anfangen
  • Breit Diversifizieren
  • Nur das Geld investieren, auf das man die nächsten Jahre nicht angewiesen ist
  • Geduld mitbringeneigene Gedanken zur ETF’s/Aktien/Geldanlage machen

Generell eignen sich ETFs  für Börsenbeginner zunächst besser.

  1. Für die Börse entscheiden

  2. Depot eröffnen

  3. ETF oder Einzelaktien

  4. Freibetrag hinterlegen

  5. Zurücklehnen, Zeit und Geduld mitbringen und nicht täglich die Aktienkurse checken

Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung!

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